Dornröschen

DIE FABELHAFTE WELT DER SCHLAFENDEN SCHÖNEN


Mit Spannung erwartete man die Premiere des Tschaikowsky Klassikers „Dornröschen“ am Theater Nordhausen, vergangenen Freitag. Und man wurde nicht enttäuscht! Choreograph Steffen Fuchs, der bereits vergangene Spielzeit mit „Romeo & Julia“ einen Erfolg feierte, gestaltet seine Inszenierung farbenfroh, effektreich und mit Witz.

Zu Beginn läutete das Loh-Orchester Sondershausen, unter Leitung von Alexander Stessin mit kraftvollen und bekannten Klängen ein. Es folgen einige schöne Ideen zur Umsetzung dieser Version. So befreit der König mithilfe eines Schlüssels das Neugeborene aus dem Bauch der Königin. Fumiko Okusawa und Sergei Martinovich geben dabei ein sehr überzeugendes Königspaar ab. Das Fest zur Geburt der Prinzessin gehört zu einem der spannendsten Momente. Auch hier lassen sich kluge Einfälle finden. Die elf Feen werden von sechs Tänzern dargestellt. Fünf von ihnen sind zwei Feen in einer Person, dazu wurden ihnen verschiedene Masken und Kostüme auf beiden Seiten ihres Körpers angebracht. Es funktioniert und die Tänzer meistern es perfekt. Der Walzer erklingt und die Feen lassen ihre Künste in einer schwungvollen Choreographie spielen. Doch dann platzt die böse Fee Carabossa in die Zeremonie. Schon ihr Auftritt lässt es einem kalt über den Rücken laufen. Verärgert beschwört sie ihren Fluch. Alles ist still im Saal, denn das Unheil breitet sich langsam auch bis zum letzten Zuschauer aus. Lebhaft getanzt von Irene López Ros, welche mit ungeheurer Ausstrahlung und verführerischem Charme sicher alle in ihren Bann zieht.
Der Todesfluch wird von der gutmütigen Fliederfee (Beth Keasy) schließlich entschärft. Immer von ihren freundlichen Libellen begleitet schwebt Keasy geradezu über die Bühne und gewinnt sofort an Sympathie.
Dornröschen wächst auf und ihr Schicksal nimmt seinen Lauf. Durch den Kuss von Carabossa sinkt sie zu Boden. Die bezaubernde Letícia Forattini Martins ist eine wahre Idealbesetzung für die Titelrolle. Grazil, lieblich und unschuldig beweist sie in Tanz und Spiel ihr Talent. Das Ende des ersten Akts war ein unheimlich friedliches Bild, als die Fliederfee über die schlafende Prinzessin wacht und dabei sorglos und vergnügt beginnt zu essen.

Im zweiten Akt erscheint der abenteuerliche Prinz Désiré, der sich mit einem kleinen silbernen Auto auf den Weg macht Aurora zu befreien. Arkadiusz Głebocki tanzt den etwas ahnungslosen Prinzen flink und sicher. Das gefühlvolle Happy End beendete schließlich einen kurzweiligen, ermunternden und fantasievollen Theaterabend, wie ich ihn so noch nicht erlebt habe. Dazu beitrugen natürlich auch die kunterbunten und abwechslungsreichen Kostüme von Anja Schulz. Ein Mix aus verschiedenen Stilen, teils klassisch, teils modern, aber passend zum Charakter. Die Bühne (Wolfgang Kurima Rauschning) ist zwar sehr schlicht und abstrakt, jedoch erstaunlich wirkungsvoll. Und das ist der fantastischen Beleuchtung zu verdanken. Denn die spielte eine große Rolle und selten habe ich ein Stück gesehen, bei dem so viel mit verschiedensten Lichteinstellungen herum gespielt wurde. Es sieht einfach klasse aus, wenn sich das Licht während des Fluches plötzlich alles in einen dunklen Strudel verwandelt, oder wenn die Fliederfee das Licht dämpft für eine beruhigende Stimmung. Im Wald strahlten die Grüntöne überall und zusammen mit dem Nebel und den Mustern des Bühnenbildes ergab sich etwas recht Mythisches.

Die lebendigen Choreographien halten einen sehr bei Laune. Steffen Fuchs' Interpretation des Werkes ist ein Vergnügen, optisch, musikalisch sowie darstellerisch und lässt uns für zwei Stunden in eine andere Welt und Zeit blicken, fern des Alltags. Denn hier ist wirklich Magie auf der Bühne!

Tobias Joch, 18 Jahre
18.10.2009

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