Jekyll & Hyde


Gänsehaut im Übermaß

Mit den Rechten an Frank Wildhorn und Steve Cudens „Jekyll&Hyde“ hat Intendant Lars Tietje einen ganz großen Fisch an Land gezogen. Und Iris Limbarths Inszenierung des Musicals haut mich um. Ich kannte bereits die Musik der Aufnahmen aus Wien und vom Broadway und war sehr gespannt auf das, was das Nordhäuser Theater da auf die Beine (und Bühne) gestellt hat.

„In jedem von uns wohnen zwei Seelen. Gut und Böse.“ (Henry Jekyll)

Chemische Formeln sind das Erste, was die Zuschauer von dem Musical zu sehen bekommen, dann hebt sich der Vorhang und der von Dr. Jekyll gesprochene Prolog wird von vier Tänzern in Zwangsjacke unterstrichen.
So wie der Einstieg ist das gesamte Stück spannend, mitreißend und gruselig. Bei der Musik bekommt man einen kalten Schauer über den Rücken gejagt. Im Folgenden war ich immer mehr von der Geschichte gefangen, was besonders durch Daniel Erikssons überzeugende Darstellung des Henry Jekyll/ Edward Hyde ausgelöst wurde. Der Schwede lebt seine Rolle und gibt sowohl dem angesehenen, anständigen, gutmütigen Dr.Jekyll als auch dem mysteriösen, ungepflegten und grausamen Mr.Hyde eine Seele.
„Die Verwandlung“ war eine Szene, bei der ich gespannt war, gebannt war, gefesselt von dem Wandel von Jekyll zu Hyde und die Umsetzung auf der Bühne. Ich bekam eine Gänsehaut, als schlagartig Erikssons Stimme, sein Äußeres und seine Haltung drastisch umschlugen und eine völlig andere Figur plötzlich auf der Bühne stand. Man merkt, dass sich Daniel Eriksson über seine Rolle viele Gedanken gemacht hat. Auch stimmlich hat mich der Schwede umgehauen. Besonders „Welch Gefühl, so lebendig zu sein“ hat mir den Atem geraubt und wurde so zu meinem Lieblingslied des Musicals.
Herausragend war neben Eriksson auch Femke Soetenga als Lucy Harris, die Prostituierte, die sich in den verlobten Jekyll verliebt und von Edward Hyde begehrt wird. Die Puffszene „Schafft die Männer ran“ strotz nur so von Energie und Sexappeal. Lucy ist eine absolut interessante Figur – sehnsüchtig nach Freiheit und einem sorglosen Leben und dennoch an ihren Job in dem Bordell gebunden. „Mädchen der Nacht“ hat mich vollkommen mitgenommen. Das Duett von Lucy und Puffmutter Nelly (Anja Daniela Wagner) wurde berührend und voller Inbrunst von den beiden Darstellerinnen gesungen und gehört somit zu einem der schönsten Lieder des Musicals. Natürlich darf auch die nötige Portion Liebe nicht fehlen. Corinna Ellwanger spielt die freundliche, wohl erzogene, reiche Verlobte des Dr.Jekyll - Lisa Carew.
Doch nicht nur die Hauptdarsteller haben mich begeistert. Die gesamten Rollen wurden perfekt besetzt.
Sehr gut waren dabei die Leistungen von Marvin Scott als Zuhälter Spider und Daniel Coninx als Bischof von Basingstoke, welcher am Ende der ersten Hälfte des Musicals von Hyde brutal ermordet wird.
Die Pause kam mir überhaupt nicht recht. Das Stück hatte mich derart gefangen, war spannend und es war immer wieder aufregend, Daniel Eriksson in seinen zwei Rollen und auch Femke Soetenga zuzusehen. Die Hingabe der beiden Musicaldarsteller zum Theater ist deutlich zu spüren und es fließt so viel Seele und Leben in die Rollen, dass der Zuschauer davon mitgerissen wird.
Nach der Pause sieht man als erstes den jüngsten Solisten im Ensemble – den Zeitungsjungen (Tobias Joch), der von der Ermordung des Bischofs berichtet. „Mörder“ ist ein peppiges, spannendes und durch die zahlreichen Morde Hydes auch ein grausames Lied im Musical und es macht Spaß, zuzusehen.
Das nächste Highlight ist „Ein neues Leben“ von Lucy Harris in ihrem Schlafgemach, bei dem sie hoffnungsvoll an den Neuanfang an einem anderen Ort denkt, nachdem Jekylls bester Freund und Anwalt Utterson (Anton Leiß-Huber, der im gesamten Stück eine sehr gute Leistung lieferte) sie im Namen des Wissenschaftlers zur Flucht drängte. Unterstützt wurde die Stimmung durch ein aufwändiges Bühnenbild in Form von Fensterscheiben, an denen „Regen“ hinunterlief, was ich sehr stimmungsvoll und absolut gruselig finde. Es gab bei keinem anderen Lied mehr Applaus als nach dieser grandiosen Leistung Femke Soetengas, doch genauso stark wurde bei Erikssons folgendem Lied „Konfrontation“ geklatscht und gejubelt. Der direkte Kampf zwischen Jekyll und Hyde war die beeindruckendste Szene des gesamten Stücks. Die Zerrissenheit des Mannes kommt so deutlich wie nie zuvor zum Vorschein und wird sehr gut durch Veränderung der Körperhaltung Erikssons auf der Bühne dargestellt.
Erwähnt werden sollte auf jeden Fall auch das grandiose Bühnenbild (Wolfgang Kurima Rauschning) im gesamten Musical, das ebenso wie die Kostüme (Elisabeth Stolze-Bley) ein Gefühl für das London im Jahr 1888 vermittelt und zu jeder Szene ideal passt. Durch verschiedene Beleuchtungen konnten zahlreiche Stimmungen vermittelt und durch schnelle Umbauten viele unterschiedliche Orte dargestellt werden.
Das Theater hat keine Mühen und Kosten gescheut, um eine richtig geniale Inszenierung auf die Bühne zu bringen und obwohl ich von der Spielzeit 09/10 bisher schon sehr begeistert war und es viele tolle Stücke zu sehen gab, ist „Jekyll&Hyde“ für mich definitiv das Highlight und ich bin froh, dass es noch mit in die nächste Spielzeit übernommen wird.
Ich bin mit tausenden von Eindrücken aus den beiden Vorstellungen, die ich bisher gesehen habe gekommen und möchte am Liebsten gleich noch einmal die Inszenierung sehen. Es wird für mich mit Sicherheit nicht bei diesen zwei Aufführung bleiben.
(Nina Kühne)


Zurück

Demnächst:
18.05., 19.30
 
18.05., 19.30
 
18.05., 20.00
 
19.05., 19.00
 
19.05., 19.30
 
19.05., 19.30
 
19.05., 19.30
 
20.05., 15.00
 
20.05., 19.30
 
22.05., 15.00
 
 




Theater Nordhausen